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Pädagogisches Konzept

1. Einleitung

1.1 Vorstellung als Träger

Die Rahmenkonzeption der Espira Kinderbetreuung stellt die verbindlichen Grundlagen und Richtlinien für die pädagogische Arbeit unserer Kindertagesstätten und Häuser für Kinder dar. Sie beschreibt unser Profil und bietet den Orientierungsrahmen für alle Espira Kindertageseinrichtungen in Bayern und Baden-Württemberg.

Unsere Rahmenkonzeption dient maßgeblich der Transparenz, Qualitätssicherung, Reflexion und Weiterentwicklung. Gleichzeitig gibt sie Pädagog*innen und Führungskräften in unseren Unternehmen Orientierung und allen Interessierten einen transparenten Einblick in unsere Arbeit.

Leitend bei der Erarbeitung war vor allem die Frage, was uns in der vielfältigen Trägerlandschaft besonders auszeichnet. Insofern ist die Rahmenkonzeption eine ausgewählte Schwerpunktsetzung auf die Themen, die uns besonders wichtig sind. Sie ist wie die Hauskonzeptionen als kontinuierlicher Weiterentwicklungsprozess angelegt. Die Rahmenkonzeption ist eingebunden in stadt-, landes- und bundesweite Entwicklungsprozesse von Kindertageseinrichtungen und bildet eine Grundlage für die Fachplanung und unsere pädagogische Ausrichtung als Träger.

Unsere Kindertageseinrichtungen sind familiener­gänzende und -unterstützende Einrichtungen und in verschiedenen Landes- und Bundesgesetzen verankert:

Das Bundesgesetz SGB VIII (Sozialgesetzbuch Achtes Buch, Kinder- und Jugendhilfe) benennt im § 22 zur Förderung von Kindern in Tageseinrichtun­gen (…), die Erziehung, Bildung und Betreuung des Kindes und bezieht sich auf die soziale, emotio­nale, körperliche und geistige Entwicklung des Kindes. § 22a Abs. 3 SGB VIII betont explizit, dass das Angebot sich pädagogisch und organisatorisch an den Bedürfnissen der Kinder und ihrer Familien orientieren soll.

Das Bayerische Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz (BayKiBiG) und seine Ausführungsverordnungen (AVBayKiBiG) beschreiben das Ziel, die Kinder in ihrer Entwicklung zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten zu unterstützen. Es gilt, individuelle Lernprozesse zu initiieren, zu begleiten und zu strukturieren unter Berücksichtigung der kindlichen Lebenswelt. Das pädagogische Personal und die Eltern gestalten die Basis für eine vertrauensvolle und partnerschaftliche Kooperation. Das pädagogische Fundament bildet dabei der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan, der Bildung als sozialen, interaktiven und kommunikativen Prozess versteht, in dem das Kind mit seinen Stärken im Mittelpunkt steht.

Das Kindergartenbetreuungsgesetz Baden-Württemberg und der baden-württembergische Orientierungsplan für Bildung und Erziehung (kurz Orientierungsplan) bilden die Grundlage für die pädagogische Arbeit in den Kindertageseinrichtungen in Baden-Württemberg. Der Orientierungsplan gibt Impulse, klare Anhaltspunkte und unterstützt pädagogische Fachkräfte in ihrer Arbeit, um Kinder von der Geburt bis zum Schuleintritt professionell zu begleiten. Die Weiterentwicklung des Orientierungsplans (WeOp) läuft aktuell unter der Leitung des Forums Frühkindliche Bildung (FFB). Dabei werden unter anderem pädagogische Fachkräfte, Einrichtungsleitungen, Trägervertretungen sowie die Unterstützungssysteme eng einbezogen, mit dem Ziel kontinuierlich an der frühkindlichen Bildung und Betreuung von Kindern weiterzuarbeiten.

Darüber hinaus finden sich in der UN-Kinderrechtskonvention von 1989 und der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention von 2009 vor allem das Recht auf Bildung von Anfang an und das Recht auf umfassende Mitsprache und Mitgestaltung. Im Hinblick auf die Sicherung des Kindeswohls sind SGB VIII, § 8a und das Gesetz zur Kooperation und Information im Kinderschutz anzuwenden. Dazu arbeiten die städtischen Kindertageseinrichtungen auch mit den Sozialdiensten eng zusammen.

Darüber hinaus gelten für alle bayrischen Kindertageseinrichtungen in städtischer Betriebsträgerschaft die aktuellen Satzungen über den Besuch der Kinderkrippen, Häuser für Kinder und Kindergärten der Landeshauptstadt München (Kindertageseinrichtungssatzung) sowie die Gebührensatzung.

Die Espira Kinderbetreuung ist die deutsche Tochter eines skandinavischen Trägers, der von Kitas über Schulen bis zur Erwachsenenbildung in der gesamten Bildungskette tätig ist. Mit Espira erweitern wir seit 2018 die vielfältige Bildungslandschaft in Süddeutschland um ein Kita-Konzept skandinavischen Ursprungs, mit dem wir einen weiteren wichtigen Beitrag zu einer solidarischen, toleranten, weltoffenen und inklusiven Gesellschaft leisten möchten. Unser Rahmenkonzept stellt sowohl die Grundlagen und Prinzipien unserer pädagogischen Arbeit als auch die Rahmenbedingungen und Prozessabläufe in den Espira Kindertagesstätten vor.

Die kindlichen Bedürfnisse nach u.a. Bildung, sozialer Einbindung, Anerkennung, Zuwendung, Natur und ausgewogener Ernährung stehen über alle Entwicklungsbereiche hinweg im Mittelpunkt unserer Pädagogik. Wir achten auf eine alters-, geschlechts- und entwicklungsgemischte Heterogenität, wobei wir jegliche – kulturelle wie auch entwicklungsspezifische – Vielfalt als Chance und Bereicherung ansehen.

Oberstes Entscheidungskriterium all unserer Handlungen ist das Wohl der Kinder. Dem liegt als Leitgedanke zugrunde, dass jedes Kind das Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit (§1 Abs.1 SGB VIII) hat.

1.2 Unsere Vision

Unsere Vision ist es, den uns anvertrauten Kindern bestmögliche Startchancen für ein glückliches und selbstbestimmtes Leben zu geben. Der Name ‚Espira‘, hergeleitet aus den Wörtern ‚Spire‘ (übersetzt aus dem Norwegischen ‚Keim/Sprössling‘), ‚Spirit‘ und ‚Inspiration‘, beinhaltet unser Ziel, die Entwicklung aller Kinder von Anfang an liebevoll zu begleiten, um ihnen ‚einen fantastischen Start ins Leben‘ zu ermöglichen. In unseren Einrichtungen heißen wir alle Kinder und Familien herzlich willkommen und bieten ihnen Chancengleichheit, Bildung und gesicherte Qualität, unabhängig von individuellen Merkmalen wie Geschlecht, sozialer Zugehörigkeit, ökonomischen Voraussetzungen, Herkunft, Sprache, Religion oder besonderem Förderbedarf.

Ausgangspunkt unseres Handelns ist der Respekt vor der Persönlichkeit eines jeden Menschen. Indem wir uns Kindern aufmerksam, verlässlich und liebevoll zuwenden und sie jeden Tag aufs Neue in ihrer Entwicklung ermutigen, schaffen wir die Basis für ein starkes Selbstvertrauen in sich und die Welt.

Wir verstehen unsere Kitas als Orte,

  • an denen Kinder sich wohlfühlen und den sicheren, geborgenen Rahmen vorfinden, den ihr Lebensalter zwischen 0-6 Jahren erfordert.
  • an denen Kinder ernst genommen werden und ihnen mit Achtung, Respekt und Wertschätzung begegnet wird.
  • an denen alle partizipieren, die an der Erziehung, Bildung und Betreuung eines Kindes beteiligt und einer ganzheitlichen Entwicklung dienlich sind.
  • die Familien in den Mittelpunkt stellen und sowohl Unterstützung für den Familien- und Berufsalltag bieten als auch Bildungsorte sein können.
  • an denen Kinder alltags- und naturnah ihren eigenen Fragen und Antworten nachgehen können, um ihre Potenziale zu entfalten.

1.3 Unser Bild vom Kind

Kinder sind die aktiven Gestalter ihrer Entwicklung. Sie sind neugierig, aufmerksam, interessiert, motiviert und verspüren einen starken Wissensdrang. Sie gehen mit Leidenschaft den Dingen auf den Grund und verknüpfen dazu selbsttätig gemachte Erfahrungen und Handlungsweisen mit bereits vorhandenen Kenntnissen.

Unserer Grundüberzeugung folgend, dass jedes Kind großartige Entwicklungsmöglichkeiten in sich trägt, sind wir uns der Verantwortung bewusst, dass unser Vorbild, unser Umgang miteinander und unsere Haltung einen großen Einfluss darauf haben, inwieweit sich ein Kind als akzeptiert, selbstbestimmt, forschend und lernend wahrnehmen kann

Die individuellen Fähigkeiten, Eigenschaften und Begabungen, die Kinder mitbringen, schätzen wir und unterstützen dabei, Baumeister ihrer Lern- und Bildungsprozesse zu sein. Wir sind der Überzeugung, dass Kinder für ihre Entwicklung keine überfordernden Stimulationen und starren Lernprogramme benötigen, sondern motivierte, authentische und verlässliche Bezugspersonen, vielfältige Alltags- und Naturerfahrungen sowie kreative Bewegungs- und Spielmöglichkeiten.

In der praktischen Umsetzung bedeutet das:

  • Zusammenleben in Stammgruppen – sowohl mit einem projektübergreifenden Ansatz als auch in Formen offener Arbeit. Kinder erfahren so Sicherheit und Zugehörigkeit und können verlässliche Beziehungen aufbauen und Lern- und Entwicklungsanforderungen auf ihre eigene Art und Weise gestalten.
  • gruppenübergreifende Angebote und Projekte, die am individuellen Entwicklungsstand eines jeden Kindes ansetzen.
  • eine reflektierte, pädagogische und dem Kind zugewandte Grundhaltung.
  • gelebte Erziehungspartnerschaft, die Angebote für Eltern vorhält und sie aktiv am Bildungsprozess ihrer Kinder beteiligt.

 

2. Der pädagogische Rahmen

2.1 Das pädagogische Konzept

Die Espira Einrichtungen arbeiten nach der vorliegenden Rahmenkonzeption, die grundlegende Ziele, Werte und pädagogische Vorgehensweisen beschreibt. Ergänzend entwickelt jedes Haus eine Hauskonzeption, die die Bedingungen und pädagogischen Ausprägungen des Hauses abbildet, ein hauseigenes Leitbild enthält, den Sozialraum der Einrichtung berücksichtigt und jährlich überarbeitet wird.

Bei Espira ist die konzeptionelle Orientierung bewusst offengehalten und nicht festgelegt auf gruppenbezogenes (Stammgruppen) oder projektbezogenes bzw. sogenanntes offenes Arbeiten.

Für den pädagogischen Alltag in unseren Einrichtungen bedeutet dies mehr Freiheit und Selbständigkeit. Alle Einrichtungen haben die Möglichkeit, ihr persönliches Profil zu entwickeln. Um trotz allem für alle ein hohes Maß an Transparenz zu schaffen, werden einrichtungsspezifische Strukturen und Rahmenbedingungen gemeinsam von Pädagog*innen, Eltern und Kindern entwickelt und dokumentiert, evaluiert und weiterentwickelt.

Unsere Arbeit basiert auf den verbindlichen Bildungs- und Orientierungsplänen der Länder.

Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen:

  • Wahlfreiheit für Kinder im Hinblick auf Aktivität und Beziehungen bei verlässlichen Bezugspersonen
  • Austausch zwischen den Bezugspersonen über Beobachtungen, Wahrnehmungen und deren Dokumentation
  • Konzentration auf Stärken, Fähigkeiten und Interessen
  • Freie Spielphasen
  • Gleichwertigkeit der Innen- und Außenspielflächen
  • Die Bedeutung von Mahlzeiten als Lernfeld
  • Alltagsintegrierte Vernetzung der Bildungs- und Entwicklungsbereiche
  • Orientierung an aktuellen Studien sowie Forschungsergebnissen für eine kind- und zeitgemäße Pädagogik
  • Kommunikation, Sprachen und Ausdrucksformen als Tore zur Welt
  • Partizipation, Verantwortung und echte Beteiligung

2.2 Selbstständigkeit und Partizipation

Unsere Kitas sind für Kinder oft der erste Schritt „nach draußen“ – eine Brücke von der Familie zur Mitwelt.

Ziel unserer Arbeit ist es, Kinder auf ihrem Weg zu einer eigenständigen Persönlichkeit zu begleiten und ihnen Selbstbildungsprozesse zu ermöglichen. Kinder sind Akteure ihrer eigenen Entwicklung und setzen sich von Geburt an kompetent und eigenaktiv mit ihrer Umwelt auseinander. In unseren Kitas bieten wir Kindern vielfältige Möglichkeiten, lebenspraktische Kompetenzen zu erwerben, zu erproben und zu festigen. Mit Zeit, Geduld, Anerkennung und Ermutigung werden sie darin bestärkt, selbstgesetzte Ziele auf ihre Weise zu erreichen. Es ist uns ein großes Anliegen, dass jedes Kind im Rahmen seiner Möglichkeiten selbstständig und eigenaktiv handeln kann und sich als selbstwirksam erlebt.

Selbständigkeit ist hierbei kein eng gefasster Begriff, der sich nur in Bezug auf die grundlegenden Fähig- und Fertigkeiten wie Essen, Anziehen, Körperpflege, Benutzung von Toilette und Hygiene bezieht. Wir verstehen darunter die Erweiterung der individuellen und sozialen Kompetenzen in jeder Lebenslage wie z.B. das eigenständige Wählen von Spielmaterialien und Spielpartnern und die aktive Mitgestaltung des Kita-Alltags.

Jedes Kind hat besondere Bedürfnisse, individuelle Gefühle und Erfahrungen. Kinder finden Möglichkeiten zum Sehen, Riechen, Spüren, Tasten, Schmecken und Hören. Die Verknüpfung dieser Reize und deren Interpretation sind wichtige Schritte in ihrer Persönlichkeitsentwicklung. Dabei werden sie von unseren Pädagog*innen als Impulsgeber, Berater und Vorbilder begleitet. Durch die Beobachtung und die eigene Auseinandersetzung mit dem Alltag, wie z.B. dem Vor- und Zubereiten von Mahlzeiten, dem Gestalten von Räumen, dem Wäschewaschen, Beete bestellen oder Rasen mähen, entwickeln Kinder Methoden und Strategien, um ihren Alltag eigenständig zu bewältigen.

Partizipation ist für uns eine entscheidende und wichtige Grundhaltung in allen Lebensbereichen. Wir verstehen darunter die aktive Beteiligung im Sinne von Mitbestimmung, Mitgestaltung und Mitverantwortung. Eine Beteiligung der Kinder ist bei uns gewollt und wird von uns durchgängig und aktiv unterstützt.

Das Recht des Kindes auf Beteiligung nach Art 12 Abs.1 der UN-Kinderrechtskonvention ist nicht an eine Altersgrenze gebunden. Wir stellen in unserer Arbeit sicher, dass die Sichtweise jedes Kindes in Entscheidungsprozessen angemessen berücksichtigt wird. Die Würde und die Rechte der Kinder nehmen neben denen der Erwachsenen einen selbstverständlichen Platz bei uns ein.

Partizipation basiert unserer Ansicht nach auf Demokratie, Partnerschaft, gelebtem Dialog, konstruktiver Auseinandersetzung, Kooperation untereinander, Beschwerde- und Streitkultur, einem guten Miteinander, gegenseitiger Akzeptanz und der Kultur der Konfliktlösung. Sie ist keine Frage des Alters und geschieht freiwillig.

Gelebte Partizipation bedeutet für uns:

  • Stärkung des Selbst- und Verantwortungsbewusstseins
  • Zufriedenheit
  • Förderung der Kreativität und des Ideenreichtums
  • Ausdrucks- und Reflexionsmöglichkeit
  • Widerstandsfähigkeit / Resilienz
  • Akzeptanz und Toleranz
  • Sicherheitsempfinden
  • Verständnis für gemeinsam festgelegte Regeln und Entscheidungen

Partizipation beginnt bereits im Kleinen:

  • in der Begegnung der Kinder untereinander
  • in der gemeinschaftlichen Gestaltung des Alltags und des Zusammenlebens
  • in der Möglichkeit der freien Meinungsäußerung
  • in der Wahrnehmung und dem individuellen Ausdruck eigener Bedürfnisse
  • in der Begegnung auf Augenhöhe
  • in der selbstständigen Lösungsfindung bei Herausforderungen und Konflikten
  • in der Möglichkeit, eigene Beschlüsse zu fassen und mit Konsequenzen umzugehen

Partizipation ist kein separates Entwicklungsfeld, sondern grundlegend in allen Bereichen unserer Einrichtungen präsent.

Die Beteiligung von Kindern an Entscheidungen in unseren Kitas beruht auf der grundlegenden Überzeugung, dass Kinder ihre Rechte, Pflichten, Wünsche und Bedürfnisse mit der notwendigen Begleitung und bedarfsorientierten Unterstützung selbst regeln und bewältigen können. Teilhabe ermöglichen und leben setzt ein demokratisches Bild vom Kind voraus. Mit- und Selbstbestimmung von Kindern ergibt sich für uns nicht von selbst, sie muss gewollt, beschlossen, gestaltet und aktiv gelebt werden.

2.3 Bildungsbereiche und Activity Cards

Die Espira Pädagogik ist in sieben Bildungsbereiche eingeteilt. Diese werden durch die sieben „Sprösslinge“ dargestellt:

  • ‚Sozialsprössling‘
  • ‚Weltentdecker‘
  • ‚Motorikus‘
  • ‚Sprachforscher‘
  • ‚Ausdruckskünstler‘
  • ‚Philosophus‘
  • ‚Zahlenjongleur‘

Die Bildungsbereiche werden den Kindern und Pädagog*innen über ‚Activity Cards‘ zugänglich gemacht: Die Angebote sind für alle Altersgruppen konzipiert, reichen z.B. vom Trostvers bis zum naturwissenschaftlichen Experiment und die Inhalte der Bildungspläne der jeweiligen Bundesländer werden berücksichtigt.

Beim Ansatz ‚Sozialsprössling‘ eröffnen wir Kindern Möglichkeiten, sowohl als einzelne Persönlichkeit als auch als Mitglied unserer Gemeinschaft Selbstvertrauen zu entwickeln und sich auf ihre Weise zu beteiligen. Durch eine feinfühlige Wahrnehmung, wertschätzende Rückmeldung, aktives Zuhören und das Verbalisieren von Gefühlen und Eindrücken, unterstützen wir die Kinder so von Anfang an bei der Entwicklung eines positiven Selbstkonzeptes und dem Aufbau tragfähiger Beziehungen.

Gerade unsere Jüngsten benötigen dabei noch einen verlässlichen Rahmen und Orientierung, um sich sicher und geborgen zu fühlen. Dabei helfen wiederkehrende, vertraute Abläufe und Rituale, regelmäßige Wechsel von Phasen der Dynamik und der Ruhe und ein bedürfnisorientierter Tagesablauf. So erfahren Kinder, dass ihre Meinungen und Ansichten zählen und ernst genommen werden. Die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen wird dabei reflektierend durch Gespräche begleitet, unterschiedliche Interessen und Sichtweisen aufgezeigt und toleriert.

Zum Erlernen von Konfliktlösungen moderieren wir die Deeskalation und das Finden von Kompromissen. Dabei ermutigen wir die Kinder, auch selbst vermittelnd einzugreifen und so zu einem harmonischen Miteinander beizutragen.

Der Bildungsbereich ‚Weltentdecker‘ begleitet unsere Kinder bei der Erforschung und Eroberung ihrer Umwelt und deren Gesetzmäßigkeiten. Bei regelmäßigen Spaziergängen und Exkursionen, z.B. auf naturbelassene Gelände, zum Einkaufen, auf die Post oder in die Bücherei, entdecken Kinder gemeinsam mit ihren Pädagog*innen die Welt. Ausgestattet mit Neugier und Forscherdrang erleben sie hautnah, lernen eigene Grenzen kennen und einen rücksichtsvollen Umgang miteinander. Sie beobachten Tiere, sammeln Naturmaterialien und lernen dabei sich und ihre Umwelt immer besser kennen. Dazu gehören unter anderem die Vernetzung mit den Familien, die Orientierung im Sozialraum und eine enge Zusammenarbeit mit der Schule als nächstem Lebensabschnitt der Kinder.

Unser ‚Motorikus‘ begleitet Kinder dabei, ihren Körper und ihre Sinne über Bewegungsabläufe immer besser kennen zu lernen. Durch Bewegung und Spiel erproben Kinder ihre Möglichkeiten und lernen Grenzen. Sie entwickeln die erforderliche Sicherheit für unbekannte Situationen – der Grundstein zur Entwicklung von Resilienz. Wir vertrauen in das Entwicklungstempo jedes Kindes und bieten ihnen individuelle Herausforderungen drinnen wie draußen an. Beispiele hierfür sind Gewichte, schräge Ebenen, Schaukeln und Hängematten, Bäume zum Klettern, Rutschen, Tunnel, Höhlen und verschiedene Materialien, die ihre Gleichgewichts-, Rhythmisierungs-, Differenzierungs- und Reaktionsfähigkeiten fördern.

Im Bereich ‚Sprachforscher‘ fördern wir über die Kommunikation einen zentralen Teil der Identitätsbildung unserer Kinder. Kinder lernen das Sprechen in sozialen Interaktionen während des Alltags, wie z.B. beim Anziehen, Essen, Bilderbuch Anschauen und Spielen. Wir regen sie an, sich in verschiedenen interaktiven Situationen (z.B. Rollenspielen) zu aktiven Sprechern und Zuhörern zu entwickeln. Das Erleben und Erlernen unterschiedlichster Ausdrucksformen, Sprachen, Kommunikationsmittel und Kulturen ermöglicht Kindern und Erwachsenen, sich adäquat und offen auseinanderzusetzen und Missverständnisse zu vermeiden. Eine offene und zugewandte Kommunikation, erweitert den Horizont. Mimik, Gestik und Sprache begleiten die Tätigkeiten der Pädagog*innen während des Tages und verbinden das Gehörte mit Handlungen und Situationen. Auf diese Weise lernen Kinder, Sprache zu verstehen und schließlich auch zu sprechen. Möglichkeiten dazu bieten sich z.B. bei gezielten Angeboten im Morgenkreis, bei Bilderbuchbetrachtungen, gemeinsamem Singen/Reimen und Spielen, aber auch im alltäglichen Austausch, beim Begrüßen und Verabschieden, Wickeln, Essen, Basteln oder An- und Ausziehen. Zudem stehen allen Altersgruppen unterschiedliche Medien und Materialien zur Verfügung. Mit zunehmendem Alter erweitern wir das Angebot z.B. um Zeitungen, CDs, Fotos, Kameras und den Computer.

Unsere ‚Ausdruckskünstler‘ erhalten Möglichkeiten, ihre angeborene Kreativität auf unterschiedliche Art und Weise mitzuteilen. Drinnen wie draußen finden unsere Kinder dazu Materialien und Utensilien zum Verkleiden aus der Natur, Gebrauchsgegenstände, Farben und Bastelmaterialien, Werkzeug, Back- und Kochutensilien sowie Instrumente. So können sie z.B. in Ateliers oder Werkstätten innere und äußere Bilder sammeln, gestalten und auf dieser Grundlage ihre Potenziale entfalten. Unsere ästhetisch gestalteten, kindgerecht vorbereiteten Räumlichkeiten, regen die kindliche Wahrnehmung an.

Beim Ansatz ‚Philosophus‘ erhalten unsere Kinder Raum, ihren Gedanken über die Welt nachzugehen und sich offenen Fragen zu stellen. Dabei geht es uns darum, die Welt mit eigenen und „fremden“ Augen zu sehen und sich auszutauschen über die Verhältnisse Mensch, Natur und Technik. Darin sehen wir die Möglichkeit, wechselseitigen Respekt, Offenheit und Toleranz zu fördern. Kinder erforschen in jeder Minute effektiv und flexibel ihre Umwelt. Bei Kindern ist das Empfinden, wer sie – individuell und kollektiv – sind, ganz eng mit Fragen verknüpft. Durch Beobachtung, Nachahmung, Nachfragen und Hinterfragen lernen sie die Welt zu verstehen und beginnen, Verbindungen zwischen Ursache und Folge herzustellen. In regelmäßigen Philosophierunden tauschen sich Kinder untereinander, mit Pädagog*innen und Gästen über ihre Fragestellungen aus und finden so ihre individuellen Antworten.

Die Fähigkeit, Raum und Zeit zu verstehen, ist entscheidend dafür, wie ein Kind seiner Umwelt begegnet. Die ‚Zahlenjongleure‘ erobern sich diesen Bereich durch eigene Erfahrungen in unseren Lern-, Bau-, Natur-, Mathematik-, Forscherecken und Werkstätten, ebenso wie bei alltäglichen Ritualen wie Aufräumen, Tisch Decken und während der Spielphasen. Schon unsere Jüngsten finden in allen Räumen Formen und Gegenstände, die sich stapeln, sortieren und einordnen lassen. Ebenso werden Zahlen, Buchstaben und Symbole an den verschiedensten Orten der Einrichtung auf Kinderhöhe deutlich sicht- und greifbar gemacht. Ein besonderer Alltagsbezug entsteht zudem über gemeinsames Kochen, Backen, Einkaufen, Wäsche machen oder das Benennen, Bestimmen, Ordnen, Wiegen und Anordnen von unterschiedlichen Materialien und Lebensmitteln.

Unser lebensbezogener und entwicklungszentrierter Kita-Alltag ist geprägt von verschiedenen reformpädagogischen Ansätzen wie z.B. Fröbel, Montessori sowie neuro- und entwicklungspsychologischen Erkenntnissen. Spielen und Lernen nehmen wir als eine Einheit wahr und verstehen diese als einen selbstgesteuerten, selbstbestimmten, lebendigen und immer fortwährenden Prozess des Lebens.

2.4 Sprachkompetenz

Durch Sprache und Sprechen stellen Kinder Beziehungen zu anderen Menschen her. Sprache beinhaltet unterschiedliche Mittel der Kommunikation, wie z.B. Gestik und Mimik, die Körperhaltung und auch die Zeichensprache. Da Kinder ihre Umwelt über Bewegung und Wahrnehmung in Besitz nehmen, werden durch Handeln gewonnene Erfahrungen in Verbindung mit der Sprache besonders rasch zu Begriffen. Sprache ist somit einerseits Mittel des Ausdrucks andererseits ein wichtiges Instrument zur Aneignung der Welt.

Durch Sprache können sich Kinder und Erwachsene mit anderen Menschen verständigen und erklären, Bedürfnisse äußern, Missverständnisse klären, streiten und Kompromisse schließen. Sprache ist nicht nur ein Mittel zur Kommunikation, sondern auch ein Werkzeug, um das eigene Leben aktiv zu gestalten. Frühe sprachliche Fähigkeiten beeinflussen nachweislich positiv Bildungschancen von Kindern und damit auch den weiteren Lebensweg.

Sprachbildung und Förderung ist als Querschnittsthema zu betrachten und findet in der Bildungsarbeit besondere Beachtung. Wir sehen in der Kommunikation die Grundlage sozialen Miteinanders und eine gute Entwicklung aller Sinne und der Wahrnehmungsfähigkeit. Unsere Pädagog*innen schaffen diese Voraussetzungen, indem sie eine an den Stärken des Kindes und deren Lebenswelt zentrierten Ansatz entwickeln und verfolgen.

Zu einer alltagsintegrierten Sprachförderung zählen bei Espira insbesondere:

  • bewusste Zeit für Dialoge und Gespräche
  • Austausch bei Mahlzeiten, Projekt- und Spielphasen
  • Kinderkonferenzen, Morgenkreise und Gesprächsecken
  • bewusster Medieneinsatz und -gebrauch – auch in Kooperation mit anderen Institutionen
  • vorbildhafter, sensibler Einsatz von Sprache im Alltag durch die Pädagog*innen
  • Theaterwerkstätten
  • Musik und Bewegung

Gemäß den Vorgaben der Bundesländer nutzen wir bei Bedarf die verschiedenen Sprachförderprogramme (wie z.B. „KOLIBRI“, „Wuppi“ oder „Vorkurs Deutsch“). Ebenso arbeiten wir mit zusätzlichen Programmen zur Verbesserung der sprachlichen Interaktion. Zudem finden Kooperationen mit Grundschulen und im Rahmen der Schulfähigkeit, regelmäßige Sprachstanderhebungen zur Erfassung der sprachlichen Entwicklung -vor allem von zweisprachig aufwachsenden Kinder- statt.

2.5 Eingewöhnung und Übergänge

Der Übergang eines Kindes aus dem familiären Umfeld in die Krippe ist von großer Bedeutung. Eine stabile Beziehung zu einer fremden Person kann nur allmählich aufgebaut werden. Dies geschieht am ehesten, wenn die Gewöhnung an die neue Umgebung, die anderen Kinder und die noch nicht vertrauten Erwachsenen langsam und schrittweise erfolgt und von den Eltern vertrauensvoll begleitet wird. Grundlage dafür ist bei Espira die Anlehnung an das „Berliner Modell“ (Baden-Württemberg) und das „Münchener Modell“ (Bayern), an dem sich unsere Eingewöhnungsprozesse orientieren.

Schritt für Schritt lernen Familien dabei den Kita-Alltag kennen und bereiten sich gemeinsam auf die erste Trennung vor. Unsere Pädagog*innen begleiten und gestalten transparent und einfühlsam Abschiedsrituale und eventuell aufkommende Unsicherheiten. Besonders behutsam wenden wir uns den Kindern zu, um sie an die veränderte Situation in einer Kita heranzuführen. Unsere Pädagog*innen animieren zum Spiel, strahlen Zuversicht aus, ermöglichen Körperkontakt, trösten und beteiligen die Kinder zunehmend am Kita-Alltag. So werden Beziehung und Bindung täglich gestärkt und das Kind Teil der Gruppe.

Die Eingewöhnung gilt als abgeschlossen, wenn das Kind die Bezugsperson als sichere Basis akzeptiert. Die Erfahrungen während der Eingewöhnung bilden das Fundament, aus der sich eine tragbare Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit den Eltern entwickelt. Aus diesem Grund arbeiten wir zu jeder Zeit situativ mit den Bedürfnissen von Eltern, Familien und Kindern.

Wir verstehen beide Eingewöhnungsmodelle nicht als starre Programme, sondern mit seinen einzelnen Phasen als Orientierungsrahmen für die Übergangszeit vom Elternhaus in die Krippe oder den Kindergarten.

Weit vor Aufnahme in die Kita findet das erste Kennenlernen von Familie und Pädagog*innen im Rahmen eines Aufnahmegespräches statt. In dessen Verlauf wird die Eingewöhnung detailliert besprochen. Die Bezugspersonen erhalten eine ausführliche Beschreibung des Eingewöhnungsmodells und Informationen rund um den Kita-Alltag. Im Sinne der Familien beachten wir deren Vielschichtigkeit und unterschiedliche Lebensmodelle. Durch den frühen, engen und sensiblen Austausch fühlen sich Eltern bzw. Bezugspersonen angenommen und akzeptiert.

Viele Familien benötigen durch die Berufstätigkeit beider Elternteile eine größere Flexibilität und Unterstützung bei der Aufnahme in eine Kita. Durch transparente, anpassungsfähige und durchdachte Strukturen bietet einen verlässlichen Rahmen dazu an.

Während des gesamten Eingewöhnungsverlaufs wird kindliches Verhalten einfühlsam beobachtet, dokumentiert und in einem Eingewöhnungstagebuch festgehalten. Im Austausch mit den Eltern werden Schritte bedarfsgerecht entwickelt und umgesetzt. Sowohl während als auch zum Abschluss der Eingewöhnungszeit erfolgt in Elterngesprächen eine Reflexion.

Übergänge beanspruchen im Kita-Alltag mehr als die Hälfte des gesamten Tagesablaufes.

Transitionen können unterschiedliche Bereiche betreffen:

  • Wechsel von Aktivitäten
  • Raumwechsel
  • Wechsel von Spielpartnern
  • Wechsel der Bezugsperson
  • Wechsel der Einrichtung

Transitionen bieten viele Lerngelegenheiten. Sie werden von unseren Pädagog*innen sorgfältig geplant, um möglichst viele Bildungspotenziale freizusetzen.

Durch die durchdachte Gestaltung erleben die Kinder einen Zuwachs an Selbstregulation, Selbstbewusstsein und Selbstwirksamkeit. Gemeinsam mit den Eltern und der Grundschule gestalten wir ebenfalls gezielt den Übergang vom Kindergarten in die Schule.

Neben wöchentlich stattfindenden Einheiten für Vorschulkinder nehmen die Kinder ebenso einmal pro Woche am Sprachprogramm „Wuppi“ teil. Bei Bedarf wird zusätzlich der Vorkurs Deutsch (Bayern) für Kinder mit entsprechend festgestelltem Förderbedarf (durch das Beobachtungsinstrumentarium Sismik/Seldak) angeboten. Darüber hinaus treffen sich die „Raupen“ (Vier- bis Fünfjährige) und die „Schmetterlinge“ (Fünf- bis Siebenjährige) – im Hinblick und in Vorbereitung auf die Schule – regelmäßig, um sich alters- und entwicklungsspezifischen Aufgaben und Herausforderungen zu stellen.

Während der gesamten Kita-Zeit erwirbt das Kind Kompetenzen, um den neuen Anforderungen und Erwartungen der Schulzeit gerecht zu werden. Vorschulkinder erproben diese in speziell von uns für sie gestalteten Kleingruppen. Unsere Pädagog*innen nehmen dabei die Entwicklung jedes einzelnen Kindes differenziert wahr und orientieren sich bei deren Unterstützung und Angebotsplanung am individuellen Bedarf. Alle Entwicklungsverläufe werden systematisch begleitet, dokumentiert, reflektiert und evaluiert.

Kooperationen bestehen mit Grundschulen und Vereinen im Stadtteil und der Region. Zudem nehmen Migrationskinder bei Bedarf an entsprechenden Zusatzangeboten zur Schulvorbereitung teil.

Zudem haben unsere Vorschüler die Gelegenheit, an Schnupperstunden in der Schule teilzunehmen um zukünftige Mitschüler, LehrerInnen und Räumlichkeiten kennenzulernen. Ein umsichtiger und transparenter Austausch zwischen allen Beteiligten ist für uns zu jeder Zeit selbstverständlich.

2.6 Kindeswohl und -würde

Espira identifiziert sich vollumfänglich mit den Grundprinzipien der UN-Kinderrechtskonvention, nach der alle Kinder gleiche Rechte auf einen barriere- und diskriminierungsfreien Zugang zu Bildung, Fürsorge, Förderung, Beteiligung und gewaltfreie Erziehung haben. Gelungene Integration ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Wir verstehen es als unseren Auftrag, durch inklusive Pädagogik Kinder mit und ohne besondere Bedürfnisse, gleich welcher Herkunft und Religion, in gleicher Weise an Spiel, Lernen und Mitsprache teilhaben zu lassen und eine weitreichende und gelingende Integration umzusetzen.

Als internationaler Träger arbeiten wir täglich mit verschiedenen Sprachen und Kulturen zusammen. Im Mittelpunkt steht dabei für uns, kulturelle Unterschiede nicht immer verstehen zu müssen, aber stets zu achten und zu respektieren. Wir fördern Interkulturalität, indem wir Neugier wecken, uns unterschiedlicher Sitten und Gebräuche bewusst sind und deren geschichtlichen Hintergründe kindgerecht aufzeigen. Wir wertschätzen die Herkunft und Sprache jede*r Mitarbeiter*in und jedes Kindes, auch indem wir die jeweilige Herkunft thematisieren und musikalische und kulinarische „Ausflüge“ in ihre Ursprungsländer unternehmen.

In regelmäßig stattfindenden Kinderkonferenzen erhalten wir Rückmeldung, wie sich unsere Kinder in der Gemeinschaft fühlen, welche Anliegen und Beschwerden, Wünsche und Vorschläge sie zur Verbesserung und Beteiligung des Kita-Alltags einbringen.

Schon in der Krippe entscheiden Kinder, an welcher Aktivität sie teilnehmen möchten, welches Lied im Morgenkreis gesungen wird oder wieviel sie von etwas essen möchten. Im Kindergarten bringen Kinder sich täglich aktiv mit eigenen Ideen ein, beraten in der Gruppe, was sie dazu benötigen und in welcher Räumlichkeit sie diese umsetzen können.

Zudem lernen sie, sich über ihre eigenen Konflikte und Beschwerden auszutauschen. Diese Beschwerden werden aufgegriffen und es wird gemeinsam nach Lösungen gesucht. Durch die Mitbestimmung lernen sie, Verantwortung zu übernehmen.

2.7 Sexualpädagogik, Sauberkeitserziehung und Suchtprävention

Kinder werden in unseren Kitas auf eine sensible und individuelle Weise in ihrer altersgemäßen körperlichen, seelischen und geistigen Entwicklung begleitet. Hierzu gehören neben Sexualpädagogik auch die Sauberkeitserziehung und geeignete Maßnahmen zur Suchtprävention.

Gerade in den ersten Lebensjahren sind die Kinder bei Pflege und Versorgung noch weitge­hend auf die Unterstützung durch ihre Bezugspersonen angewiesen.  Um frühzeitig und präventiv anzusetzen, achten wir darauf, dass wir zu jeder Zeit und in allen Bereichen, die Förderung von Lebenskompetenz im Blick behalten und die Einwilligung und den Einbezug jeden Kindes auch bei notwendigen Maßnahmen, wie z.B. dem Wickeln berücksichtigen.

In der Entwicklungsbegleitung, gerade auch unserer U3 Kinder bedeutet das für unsere Mitarbeiter*innen:

  • stabile emotionale Bindungsbeziehungen mit liebevoller Zuwendung
  • einfühlsame und beziehungsvolle Pflege
  • wohlwollende und entwicklungsangemessene Förderung
  • empathische Anteilnahme und Unterstützung in Belastungssituationen
  • bedingungslose Akzeptanz
  • Sicherheit und Geborgenheit

Die Befriedigung dieser elementaren Bedürfnisse sichert das Wohlbefinden der Kinder und ist das Fundament für ihre Bildungsbiografien.

In Hinblick auf die neuen Kinderschutzanforderungen wurden bereits Handlungsleitlinien zur Umsetzung des Bundeskinderschutzgesetzes erarbeitet und als Orientierungspapier zur Sicherung von Rechten für Kinder in unseren Kindertageseinrichtungen in unserem Schutzkonzept hinterlegt. Dort sind sämtliche relevanten Punkte im Detail nachzulesen.

2.8 Inklusion

Achtung und Schutz der unveräußerlichen kindlichen Würde sind für uns handlungsleitend. Jedes Kind soll die Chance haben, sich in unseren Einrichtungen und Angeboten wiederzufinden. Im Mittelpunkt steht dabei das gemeinsame Bemühen um ein friedvolles Zusammenleben, geprägt von einem Grundgefühl der Akzeptanz und des Respekts.

Im Rahmen unserer räumlichen und personellen Möglichkeiten sowie den Bedürfnissen der Gesamtgruppen leisten wir für Kinder mit besonderen Bedürfnissen mit eigenen oder externen Fachkräften besondere Hilfe und Förderung. Die Festlegung einer gezielten Begleitung und Förderung basiert auf ausführlichen Gesprächen mit Eltern, Pädagog*innen und Frühförderstellen sowie dem Überprüfen der für das Kind wesentlichen Voraussetzungen für die Entwicklung von Sprache, Motorik, Wahrnehmung und Verarbeitung von Reizen.

Dieser Idee folgend ist uns ein gleichberechtigtes und wertschätzendes Miteinander wichtig. In kaum einer anderen Phase des Lebens treffen Menschen so selbstverständlich mit verschiedenen sozialen und kulturellen Hintergründen und Entwicklungsgraden als Gemeinschaft aufeinander. Im Alltag unserer Kitas werden Kulturen und Lebensweisen erfahrbar. Diese Erfahrung führt zur Sensibilisierung gegenüber anderem, macht neugierig und erhöht die Offenheit.

Den Anforderungen, die nötig sind, um ein Kind mit Behinderungen in die Kita zu integrieren, werden wir gerecht. Je nach Bedarf werden räumliche sowie fachliche Ergänzungen vorgenommen. Ferner gibt es verschiedene Integrationshilfen für Kinder. Wir kooperieren im Bedarfsfall mit den zuständigen Stellen im Bereich „Hilfe zur Erziehung“ und dem Gesundheitsamt bzw. der Frühförderstelle. Zudem ist es für uns ein selbstverständliches Ziel, die soziale und kulturelle Inklusion zu fördern. Wann immer dies unsere eigenen Ressourcen überschreitet, beziehen wir entsprechende Spezialisten (Logopäden, Physio- und Ergotherapeuten, Kinder- oder Fachärzte u.a.) mit ein. So weit als möglich wird umfangreichere Unterstützung innerhalb der Einrichtung geleistet. Dies erfolgt u.a. durch die Reduzierung der Kinderanzahl in den Gruppen, bedarfsgerechte Ausstattung und mit Unterstützung qualifizierten Fachpersonals.

2.9 Vorgehen bei Kindeswohlgefährdung

Neben dem Recht auf Anerkennung, Fürsorge, Förderung, Bildung und Partizipation haben Kinder vor allem ein Recht auf emotionale Sicherheit, Schutz und Zuwendung. Der Aufbau sozialer und emotionaler Beziehungen sind kindliche Grundbedürfnisse und Basis für exploratives Lernen und Selbstentwicklung.

Das gesunde Aufwachsen von Kindern und ein wirksamer Schutz des Kindeswohls müssen als gesamtgesellschaftliche Aufgaben verstanden werden. Mit Einführung des § 8a SGB VIII zum 01.10.2005 wurde der „Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung“ konkretisiert und aufgewertet.

Unsere Pädagog*innen sind zu jeder Zeit für alle Kinder und ihre Familien verlässliche Ansprechpartner, die ihnen Sicherheit, Orientierung und Geborgenheit im Alltag vermitteln. Seit der Einführung des § 8a SGB VIII werden pädagogische Fachkräfte in Gefährdungsfällen mehr in die Verantwortung genommen. Sollten Pädagog*innen innerhalb unserer Einrichtung gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohls eines Kindes wahrnehmen, beraten sie sich zunächst mit Kollegen und Leitung.

Zur Einschätzung der Situation wird dann eine „insoweit erfahrene Fachkraft“ hinzugezogen, um bei Eltern und Kindern auf die Inanspruchnahme von Hilfen hinzuwirken. Insbesondere bei Verdachtsfällen sexueller Gewalt durch eigenes Personal wie auch bei eventuellen Gefährdungen des Kindeswohls nach § 47 SGB VIII wenden wir uns unmittelbar an die Fachaufsicht für freie Träger. Alle Mitarbeiter*innen werden in der Handhabung von Gefährdungsfällen geschult und für das Thema sensibilisiert.

Wir nehmen den Schutzauftrag ernst und in verantwortungsvoller Weise wahr. Dazu gehört eine, drohende und/oder akute Kindeswohlgefährdung zu erkennen sowie Hilfe und Unterstützung für das Kind / die Familie einzuleiten, eine altersangemessene, gesunde Entwicklung beim Kind zu gewährleisten. Die einzelnen Abfolgen des Verfahrens sind standardisiert (Qualitätsmanagement) und unsere Pädagog*innen erhalten mehrmals im Jahr Unterweisungen zum Verfahren bzw. weitere Infos zu diesem Thema z.B. in Form von Kooperationstreffen mit Mitarbeiter*innen des Jugendamtes. Die gesetzlich geforderte „insoweit erfahrene Fachkraft“ steht uns im Bedarfsfall von einem Kooperationsträger zur Verfügung.

Sollten sorgeberechtigte Väter und Mütter für ihre Kinder Hilfe, Rat oder Unterstützung bei der Erziehung benötigen oder mit der Aufgabe nicht mehr allein zurechtkommen, motivieren wir sie, den Kontakt zu Beratungsstellen, Ärzten oder Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe aufzunehmen. Sofern benötigt, insbesondere bei Verständigungsschwierigkeiten, unterstützen wir Familien bei der Kontaktaufnahme und Absprache geeigneter Maßnahmen. Für Details verweisen wir auf unser geltendes Schutzkonzept.

2.10 Sozialraumorientierung

Espira richtet seine Angebote sowohl in den pädagogischen Inhalten als auch in der organisatorischen Ausgestaltung stets an den Bedürfnissen der Kinder und ihrer Familien aus. Mit der systematischen Öffnung in den Sozialraum erwerben unsere Pädagog*innen zusätzliches Verständnis und Gespür für die Lebensrealität der Eltern und Kinder und können darauf aufbauend passende Ansätze und Angebote entwickeln z.B. im sprachlichen, musikalischen und kulinarischen Bereich, bei Festen und Feiern oder individuell durch besondere Hilfeangebote. Dabei ist ihnen bewusst, dass die Vernetzung der Angebote sowohl die Kinder in ihrer Selbstbildung wie auch die Eltern in ihrer Rolle als Experten in der familiären Lebenswelt fördern. Sozialräumliches Handeln nimmt in der (Weiter-) Entwicklung unserer Hauskonzeptionen sowie in der Schulung von Mitarbeiter*innen einen festen Platz ein.

Wir öffnen uns gezielt nach außen und vernetzen uns im Stadtteil mit anderen Stellen und Institutionen und planen gemeinsam den systematischen Aufbau und die Pflege eines entsprechenden Netzwerkes mit lokalen Museen, Vereinen, Bibliotheken, Grundschulen sowie andere Kindertageseinrichtungen, um eventuelle Synergieeffekte nutzen zu können. Dazu gehört für uns ebenfalls die Zusammenarbeit mit Kinderärzten, Gesundheitsamt, Sozialbürgerhäusern und Frühförderstellen. Diese Kooperationen mit Fachgremien werden auch als fachlicher Input von unseren Pädagog*innen genutzt. Pädagog*innen und Kinder erkunden auf unterschiedliche Weise die unmittelbare Umgebung durch Ausflüge und Besuche bei Institutionen wie Post, Bank, Polizei, Feuerwehr oder lokalen Geschäften. Auch weiter entfernte Ziele werden mit dem öffentlichen Nahverkehr erschlossen und erweitern das Bewusstsein für die eigene Lebensumwelt.

 

3. Gesundheitsförderung

3.1 Bewegung und Rückzug im Alltag

Gesund zu sein und zu bleiben, ist ein weiteres bedeutsames Ziel unserer Arbeit und Pädagogik. Im Kern gilt es, ein Bewusstsein für einen gesunden Geist und Körper bei den Kindern zu wecken. Dabei stehen für uns die Abwechslung zwischen Bewegung / Aktivität und Entspannung / Ruhe, der bewusste Umgang mit Emotionen, Stress und Herausforderungen, die Wahrnehmung und Pflege des eigenen Körpers sowie eine gesunde Ernährung im Vordergrund.

Wir gestalten die Innen- und Außenbereiche so, dass der natürliche Bewegungsdrang unserer Kinder bestmöglich ausgelebt werden kann. Soweit baulich möglich, werden die Räumlichkeiten mit Einbauten auf mehreren Ebenen gestaltet, die das Klettern, Krabbeln, Hochziehen und Balancieren ermöglichen. Schaukeln zum Schwingen und verschiedene Elemente angelehnt an die Pädagogik von Emmi Pikler sind in unsere Räume integriert.

Bewegung begleitet den Alltag der Kinder vom Morgenkreis zu Übergangsphasen bis zur Verabschiedung. Drinnen wie draußen regen verschiedene Materialien, Untergründe, Treppen, Versteckmöglichkeiten und Bewegungselemente, wie z.B. Netze oder Kletterwände zur aktiven Auseinandersetzung und Erprobung eigener Kräfte an.

Einen hohen Stellenwert haben bei Espira unmittelbare Erfahrungen und Auseinandersetzungen mit der Natur. Aktuelle Studien zeigen auf, dass Kinder in einem unstrukturierten, natürlichen Umfeld kreativer spielen als drinnen. Erfahrungen von Selbstwirksamkeit, Gestaltungskraft und Zugehörigkeit können draußen leichter selbstwirksam erzeugt und für sich genutzt werden.

In unseren Außenspielflächen und bei Ausflügen in Wald und Wiesen finden Kinder zusammen mit ihren Pädagog*innen alles, was sie für eine gesunde Entwicklung brauchen.

Wer sich viel bewegt und dabei neue Eindrücke aufnimmt, braucht auch ausreichend Zeit und Raum für Ruhe und Entspannung. Dazu schaffen wir Rückzugsmöglichkeiten, die zum Ausruhen einladen. Durch Babynestschaukeln und Kuschelnester in den Gruppenräumen können die Jüngeren auch während des Alltags ihrem Schlafbedürfnis nachkommen. Nischen, Höhlen und Emporen bieten auch älteren Kindern Rückzugsräume. So kann Erlebtes verarbeitet und Stress abgebaut werden.

Durch Schlafrituale werden gerade unsere jungen Kinder in ihre Ruhephase begleitet, Schlummerlichter und ruhige Musik unterstützen bei Bedarf. Während der gemeinsamen Ruhezeit am Mittag können wache Kinder es sich mit Kissen und Decken gemütlich machen, bekommen z.B. eine Geschichte vorgelesen oder genießen die Nähe zu ihren Bezugspersonen.

Emotional belastende Begebenheiten werden von unseren Pädagog*innen im Kita-Alltag entwicklungs- und altersadäquat sensibel gespiegelt, Lösungswege thematisiert und durch Gesprächskreise, Bilderbuchbetrachtungen und Rollenspiele methodisch aufgegriffen. Dabei können Ziele, Regeln und Verhaltensweisen erarbeitet werden, die für das Zusammenleben in der Gemeinschaft und für das eigene Wohlbefinden wichtig sind.

Um unsere Ziele mit einer hohen Qualität erreichen zu können, bilden wir uns kontinuierlich fort und weiter und orientieren uns an wissenschaftlichen Erkenntnissen. Unsere Einrichtungen nehmen an Förderprogrammen und Angeboten wie z.B.  „Komm in das gesunde Boot“ der Baden-Württemberg Stiftung oder den „Jolinchen Kids“ der AOK Bayern teil. Diese Programme unterstützen uns im Anliegen, Kindern und ihren Familien wichtige Themen, wie Ernährung, Gesundheit und Bewegung, auf eine spielerische und umfassende Art näherzubringen.

3.2 Ernährungskonzept

Das Thema „Gesundheit“ hat für die Entwicklung von Kindern eine enorme Bedeutung. Unser Ziel ist es daher, Kindern von klein auf im Alltag Freude am Essen und die Neugier auf Lebensmittelvielfalt zu vermitteln. Unsere Pädagog*innen sind im Kita-Alltag Vorbild, vermitteln Wissen und Freude am Genuss und zeigen eine Basis für einen gesundheitsfördernden Lebensstil auf. Innerhalb dieses Rahmens finden zudem Schulungen für Mitarbeiter*innen und Elternaktivitäten statt.

Physische wie psychische Gesundheit und Widerstandsfähigkeit (Resilienz) sind nicht angeboren, sondern entwickeln sich aus den Erfahrungen, die Kinder mit sich, den Mitmenschen und mit ihrer Umwelt machen. Eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung, die für eine gesunde körperliche, emotionale und geistige Entwicklung von Kindern Voraussetzung ist, ist für uns daher von großer Bedeutung.

Für die Verpflegung in unseren Kitas stellen wir daher eine gesundheitsfördernde Lebensmittelauswahl und eine schonende Zubereitung der Speisen sicher. Dies gilt sowohl für die Mittagsverpflegung als auch für das Frühstück und die Zwischenmahlzeiten. Zudem legen wir großen Wert darauf, dass sich alle angebotenen Mahlzeiten bezüglich der Lebensmittelauswahl und der Energiezufuhr ergänzen.

In unseren Einrichtungen stellen wir ein Verpflegungsangebot, das den aktuellen ernährungswissenschaftlichen Empfehlungen gerecht wird. Eine Orientierung bieten hierzu die „Qualitätsstandards für die Verpflegung in Tageseinrichtungen für Kinder“ der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. Dieses ist ernährungsphysiologisch ausgewogen, schmackhaft und abwechslungsreich und auf die unterschiedlichen Altersstufen entsprechen abgestimmt. Spezifische kulturelle Speiseangebote und medizinisch erforderliche Einschränkungen werden selbstverständlich berücksichtigt.

Unsere Ernährungsgrundlagen:

  • freier Zugriff auf Wasser und ungesüßten Tee
  • Speiseplangestaltung nach aktuellen ernährungswissenschaftlichen Empfehlungen
  • frische bzw. zeitnahe und ansprechende Zubereitung und Ausgabe von Speisen
  • überwiegend frische, unverarbeitete Lebensmittel
  • nach Möglichkeit saisonale und regionale Produkte
  • Süßigkeiten nur in Maßen zu besonderen Anlässen
  • Berücksichtigung kulturspezifischer und religiöse Aspekte
  • Rhythmus zwischen Haupt- und Zwischenmahlzeiten
  • Rituale und Routinen
  • verbindliche Vereinbarungen, Grundsätze und Standards
  • altersgerechte Ausstattung und Mobiliar
  • Einhaltung geltender Hygiene- und Sicherheitsvorschriften
  • Entscheidung und Beteiligung der Kinder an Essenssituationen und der Speiseplangestaltung
  • wertschätzender und bewusster Umgang mit Lebensmitteln
  • Vermittlung von Esskultur
  • Transparenz, Information und Beteiligung von Eltern

Die Details können unserem separaten und ausführlichem Ernährungskonzept entnommen werden.

3.3 Sicherheit- und Hygienemanagement

Umsichtige Hygiene und achtsame Körperpflege sind wichtige Voraussetzungen für die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Kinder.

Gerade Kleinstkinder sind anfangs noch auf die fürsorgliche Unterstützung der Pädagog*innen angewiesen, die z.B. für saubere Kleidung und einen sicheren und warmen Schlafplatz sorgen, sie auf die Toilette begleiten oder regelmäßig und liebevoll die Windeln wechseln.

Entsprechend den kindlichen Bedürfnissen und Fähigkeiten, begleiten die Bezugspersonen die Kinder in unsere speziell dafür vorbereiteten und kindgerecht ausgestatteten Sanitär- und Waschräumen.

Indem wir Sicherheit, Privatsphäre, Schutz, Wohlbefinden und die Selbstwirksamkeit der Kinder in den Vordergrund stellen, lernen unsere Kinder mit der Zeit, die eigenen Signale des Körpers zu deuten und mitzuteilen. Der Übergang von der Windel zum Gang auf die Toilette ist sehr individuell und wird eng mit den Eltern abgestimmt.

Zum Schutz der Kinder vor Gesundheits- oder Unfallgefahren verfügen in jeder Einrichtung Pädagog*innen über Ausbildungen zum Sicherheitsbeauftragten und über Fortbildungen in Erster Hilfe. Regelmäßig finden Schulungen zu Infektionsschutz, Erster Hilfe am Kind, Umgang mit Lebensmitteln, der Hygiene und dem Brandschutz statt.

Routinemäßig finden Sicherheitsbegehungen der gesamten Anlage und der Spielgeräte statt sowie die Entnahme von Wasserproben und die Kontrolle von Elektrogeräten.

4. Rahmenbedingungen

4.1 Unsere Einrichtungen

Angepasst an die baulichen Möglichkeiten und Vorgaben der Umgebung wird jeder unserer Standorte nach unseren hohen Qualitätsansprüchen kind- und entwicklungsgerecht geplant, aufgebaut und ausgestattet. Sie entsprechen den gesetzlichen Vorgaben der jeweiligen Bundesländer. Aus Sicherheitsgründen können sie nur über spezielle Schließanlagen betreten werden.

Bei der Gestaltung der Standorte steht für uns, entsprechend unserer Philosophie, das aktive Kind im Mittelpunkt.

Unsere skandinavischen Wurzeln finden sich insbesondere in der großen Bedeutsamkeit täglicher Bewegungsfreiheit mit hohem Outdooranteil wieder. Unsere naturnahen Außengelände verfügen nach Möglichkeit über viele kleine Lebenswelten unterschiedlicher Qualität und Ausstattung.

Ebenso wie die Innenräume sind auch unsere Naturspielräume für alle Kinder frei zugänglich. Zudem bieten die Räumlichkeiten Gelegenheiten zum Ankommen, zur Begegnung und zum Austausch. Das gesamte Mobiliar ist flexibel und variabel, so dass alle Bereiche entsprechend der Bedürfnisse der Kinder umfunktioniert werden können. Materialien sowie Raumausstattung sind klar erkennbar, selbständig zugänglich und selbstwirksam mit großem Gestaltungsspielraum. Kinder erfahren so ein hohes Maß an Selbstbeteiligung und Autonomie in einer liebevollen, fröhlichen, offenen, ermutigenden und gelassenen Gruppenatmosphäre.

Die Sicherheit der Kinder und der Mitarbeiter*innen ist in allen Bereichen zu jederzeit gewährleistet und wird regelmäßig und systematisch durch unterschiedliche Qualitätsprozesse überprüft.

Kinder gestalten ihren Alltag bei uns aktiv und autonom mit. Daher ist ein großer Anteil der Räume, drinnen wie draußen, bei Neueröffnung bewusst noch ungestaltet und wächst im Laufe der Zeit, prozessorientiert unter Beteiligung aller Akteure, weiter.

4.2 Unsere Teams

Unsere Teams verstehen sich als Lernbegleiter, Mitentwickler, Berater und Orientierungsgeber und sind entsprechend ihrer Rolle und Funktion, Ansprechpartner für Kinder, Eltern und Besucher.

In unseren Kitas arbeitet ausschließlich pädagogisches Personal und Zusatzkräfte nach den Bestimmungen der jeweiligen Gesetze der Bundesländer. Bei der Auswahl unseres Fachpersonals legen wir großen Wert auf eine integre, kommunikative und herzliche Persönlichkeit, die Offenheit für andere Kulturen und Lebensformen mitbringt und sich mit unserer Vision, Zielen und Werten vollumfänglich identifiziert.

4.3 Gruppengröße/-besetzung

Unsere Gruppen setzen sich, sowohl in der Größe als auch in der personellen Ausstattung nach den Bestimmungen der jeweiligen Bundesländer zusammen. Die Gruppen sind nach pädagogischen, entwicklungspsychologischen und betreuerischen Aspekten ausgewogen nach Alter, Geschlecht und Reifegrad der Kinder zusammengesetzt.

4.4 Betreuungszeiten

Unsere Betreuungszeiten werden an den Bedarfen der jeweiligen Standorte und deren Familien ermittelt und können flexibel angepasst werden. Die Einrichtungen sind in der Regel zwischen 7:00 und 17:00 Uhr geöffnet.

4.5 Öffnungs-/Schließtage

Bei den Öffnungs- und Schließtagen orientieren wir uns an den Empfehlungen bzw. Vorgaben der jeweiligen Bundesländer und den Bedarfen vor Ort. In der Regel bleiben unsere Einrichtungen zwischen Weihnachten und Neujahr sowie zwei Wochen im Sommer geschlossen.

Vorschläge und Wünsche der Eltern bezüglich von Öffnungs-, Schließ- und Betreuungszeiten werden in der Elternbefragung und der Zusammenarbeit mit dem Elternbeirat gesammelt, reflektiert und fließen in die Festlegung ein.

 

5. Erziehungspartnerschaft mit den Eltern, Familien und dem Elternbeirat

Wir heißen jede Familie in unseren Kinderta­geseinrichtungen willkommen und begegnen ihnen mit einer offenen und wertschätzenden Haltung. Die partnerschaftliche Zusammenarbeit basiert dabei auf gegenseitigem Vertrauen, das von einem kontinuierlichen Informationsaustausch geprägt ist. Die Kooperation gestaltet sich konst­ruktiv und orientiert sich am Wohl des Kindes. So kann der Entwicklungsprozess jedes einzelnen Kindes in der gemeinsamen Verantwortung von Eltern und pädagogischen Fachkräften unterstützt und begleitet werden.

Für Eltern bestehen in unseren Einrichtungen vielfältige Beteiligungs­formen. So können sie nach gemeinsamer Planung und in Absprache mit unseren Führungsteams, ihre Fähigkeiten und Ressourcen auch mit in den pädagogischen Alltag einbringen. Hospitationen und offene Angebote ermöglichen den Einblick in die Lebenswelt der Kinder.

Übergänge zu anderen Bildungsinstitutionen gestalten unsere pädagogischen Fachkräfte, Familien und alle weiteren am Übergang beteiligten Akteure (zum Beispiel Schule und Lehrkräfte) gemeinsam. Im Zusammenspiel der am Übergang beteiligten Institutionen können dabei individuelle Prozesse entwickelt werden, die den vor Ort vorhandenen Bedarfen von Kindern, Eltern und Familien passgenau entsprechen.

Unsere Einrichtungen beziehen kontinuierlich Eltern und Familien in die Kooperation und Vernetzung mit weiteren Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen der jeweiligen Stadtteile mit ein.

Der Einbezug von Elternbildungsangeboten in die pädagogische Arbeit unterstützt die Bildungs- und Erziehungspartnerschaft von Eltern, Familien und pädagogischen Fachkräften. Eltern, Kitaleitungen und das pädagogische Team planen und realisieren die Elternbildungsangebote gemein­sam. Entsprechend den Rahmenbedingungen fließen daraus resultierende Ergebnisse nachhaltig in die pädagogische Arbeit ein.  

Nach den jeweiligen Gesetzen der Bundesländer (BayKiBiG für die bayrischen Einrichtungen bzw. KiTaG für die baden-württembergischen Einrichtungen) wird in unseren Kindertageseinrichtungen grundsätzlich ein Elternbei­rat eingerichtet. Als Vertretung aller Eltern der Kindertageseinrichtung wirkt der Elternbeirat als Bindeglied zwischen den Eltern und dem pädago­gischen Personal der Kindertageseinrichtung. So nimmt sich der Elternbeirat der Wünsche, Ideen und Probleme von Eltern innerhalb der Einrichtungen an.

Der Elternbeirat wird zu Prozessen, die Einrichtung betreffend, informiert und angehört. Seine Vorschläge werden dabei so weit wie möglich mit einbezogen. Der Elternbeirat wird zur Hauskon­zeption und zu den Maßnahmen der Qualitätssi­cherung angehört.

In jeder unserer Einrichtungen führen wir in der Regel eine jährliche Elternbefragung durch. Eltern finden in der Broschüre „Handreichung für Elternvertreter*innen in städtischen Kindertageseinrichtun­gen“ u.a. Beispiele für lebendige und nachhaltige Kooperationsmöglichkeiten von Eltern und pädago­gischen Fachkräften.

Ohne Eltern geht es nicht. Sie sind unsere Partner und ein integraler Teil unserer pädagogischen Arbeit. Als solche werden sie von unseren Teams empfangen, wahrgenommen und respektiert.

Eine enge Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten ist für uns selbstverständlich. Dazu gehört der tägliche Informations- und Erfahrungsaustausch, Elternabend sowie gezielt vorbereitete Entwicklungs- und Austauschgespräche. Interessierte Eltern können am Tag der offenen Tür den persönlichen Kontakt mit unseren Einrichtungen aufnehmen.

Unsere Einrichtungsleitungen stehen gerne als erster Ansprechpartner vor Ort zur Verfügung.

Durch gemeinsame Projekte, Ausflüge, Feste und Feiern stärken wir die Zusammenarbeit und das Verständnis untereinander. Ergänzend dazu bieten wir auch thematisch-bildende bzw. vernetzende Elternabende, Fachvorträge und offene Elterntreffs an und laden so Familien zur aktiven Gestaltung und Mitarbeit ein.

Besonders interessiert sind wir an einer offenen und konstruktiven Feedbackkultur – im direkten Gespräch, in Austauschrunden, über den Elternbeirat oder unserer jährlichen Elternbefragung. Dabei sehen wir Anliegen, Beschwerden und Verbesserungsvorschläge nicht als etwas Negatives, sondern als Entwicklungsmöglichkeit und Chance an. Wir setzen uns mit Problemlagen aktiv auseinander und arbeiten kontinuierlich an einer vertrauensvollen, offenen Gesprächskultur zwischen Elternhaus und Kita.

Durch Elternbefragungen, Entwicklungsgespräche, Elternbeirat, gemeinsame Feste, Übergaben, Aushänge, Infomails, Elternabende oder dem direkten Gespräch sichern wir Transparenz, Information, Austausch, Beteiligung und Entscheidungsrechte der Eltern. Zudem binden wir den Elternbeirat gezielt hinsichtlich der Planung und Gestaltung zahlreicher Austauschformen sowie vor konzeptionellen und personellen Veränderungen aktiv ein.

6. Kinderschutz und Beschwerderecht nach § 8a SGB VIII (als Grundlage der Erlaubnis zum Betrieb einer Kindertageseinrichtung; § 45 Abs. 2 Nr. 3 Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung sowie Art. 9b BayKiBiG)

Unsere Kindertageseinrichtungen sind ein sicherer und geschützter Raum für Kinder. In diesem Verständnis sind unsere Mitarbeiter*innen verpflichtet, eine umfassende Verantwortung für den Schutz von Kindern zu übernehmen. Das bedeutet, frühzeitig Gefährdungsanzeichen zu erkennen, negative Veränderungen wahrzunehmen und zur Einschätzung der Auswirkungen eine insoweit erfahrene Fachkraft (nach SGB VIII § 8a Abs. 4 Satz 2) beratend einzuschalten.

In jeder unserer Einrichtungen haben Kinder die Möglichkeit einer entwicklungsangemessenen Bildung und Erziehung. Unabhängig vom Geschlecht, vom geistigen, seelischen oder körperlichen Entwicklungsstand sowie von der sozial-ökonomischen oder kulturellen Herkunft. Dabei liegt uns besonders am Herzen unsere Kindertageseinrichtung so auszugestalten, dass alle Kinder sich wohl und geborgen fühlen können.

Alle Familien und insbesondere die Kinder haben ein eigenständiges Recht auf Beteiligung. Die Beteiligungsformen sind entsprechend dem Alter und dem Entwicklungsstand der Kinder angemessen gestaltet. Beschwerderecht eröffnet die Möglichkeit, dass Anliegen ernst genommen werden und persönliche Angelegenheiten sicher platziert werden können. Erwachsene wie Kinder wissen um ihre Ansprechpartner und wie mit ihrem Anliegen umgegangen wird.

6.1 Beschwerdemanagement für Eltern

Mit Kritik umgehen will gelernt werden. Mit unserem Beschwerdemanagement verfolgen wir das Ziel, noch besser zu werden und eine Beschwerdekultur zu entwickeln, die allen beteiligten Akteuren – Kindern, Pädagog*innen, Kitaleitung und Eltern – die Möglichkeit gibt, sich einzubringen und Kritik zu äußern. Wir sehen Beschwerden als ein persönliches Feedback, das Kindern und Erwachsenen die Möglichkeit gibt, sich Ausdruck zu verleihen und weiterzuentwickeln.

Eltern erfahren in unseren Einrichtungen durch ein professionelles Beschwerdemanagement, sowohl von seitens der Einrichtungsleitung als auch der Gruppenpädagog*innen, zu jeder Zeit konstruktives Feedback. Grundsätzlich werden alle Beschwerden dokumentiert und in der Regel führen sie zu einem Gesprächstermin mit der Leitung und/oder betroffenen Mitarbeiter*innen. Auch hier ist uns die Dokumentation und Information über die Bearbeitung der Beschwerde wichtig.

Die Beschwerdeprotokolle werden bei der Leitung aufbewahrt und mindestens einmal jährlich im Führungsteam ausgewertet. Wenn deutlich wird, dass über bestimmte Vorgänge gehäuft Beschwerden auftreten, werden gemeinsam mit dem Team Prozesse in die Wege geleitet, die die Situation konkret bearbeitet und verbessert. Über gehäufte Beschwerden wird zudem die Regionalleitung informiert.

Zu einem professionellen Beschwerdemanagement gehört für uns grundlegend:

  • eine reklamationsfreudige Haltung
  • ein Leitfaden für den Umgang mit Beschwerden
  • ein Beschwerdeformular für Eltern, um Verbesserungsvorschläge einbringen zu können
  • Beschwerdeprotokolle

6.2 Beschwerdemanagement für die Kinder

Kinder sind für uns von Geburt an eigenständige Persönlichkeiten. Durch Neugierde, Entdeckungsdrang, Fragen und fordernde Haltung entwickeln sie ihre Individualität. In unseren Einrichtungen räumen wir Kindern Rechte ein, die sie, im Rahmen des täglichen Ablaufes und hinsichtlich ihres eigenen Entwicklungsstandes durchsetzen und einfordern können. Grundlage hierfür ist die Partizipation, die Beteiligung der Kinder an den sie betreffenden Interessen und Lebenswelten. Damit die Kinder Gelegenheit haben, ihre Grundrechte einzufordern, haben wir ein Beschwerdemanagement eingerichtet. Jedes Kind hat bei Espira die Gelegenheit, sich bei seinen Bezugspersonen, aber auch bei der Einrichtungsleitung zu beschweren. Damit der Alltagsbezug gewahrt ist, nimmt die Einrichtungsleitung dazu regelmäßig an Gruppengesprächen in jeder Gruppe teil. In den wöchentlich stattfindenden „großen Gesprächsrunden“ haben Kinder z.B. die Gelegenheit über Handpuppen und »Sorgenfresser« ihre Probleme darzustellen. Zudem regen die Pädagog*innen im Alltag die Meinungsbildung der Kinder zu den unterschiedlichsten Themen und Handlungsabläufen an und geben ihnen einen Ausdrucksrahmen z.B. in Morgenkreisen und Kinderkonferenzen.

Weitere fest integrierte informelle und formelle Settings der Beschwerde sind bei uns beispielsweise:

  • Morgen- bzw. Gesprächskreis: Hier bieten wir Raum und Zeit und unterstützen die Kinder darin, ihre Belange, Wünsche, Ärgernisse und Anregungen zu formulieren.
  • Gruppenalltag: Hier bieten sich viele Situationen für persönliche Gespräche unter vier Augen oder in kleinen Kinderrunden. Dabei nehmen wir die Kinder ernst, hören aufmerksam zu und bestärken die Kinder darin, uns ihre Ängste, Sorgen, Gefühle, Wünsche, Bedürfnisse und Wahrnehmungen mitzuteilen.
  • für Kindergartenkinder erarbeiten wir mit ihnen einen Dokumentationsbogen, bei dem Kinder über den Weg der „Selbsteinschätzung mittels Befragung“ explizit ermuntert werden, sich Gedanken zu machen und Positives wie Negatives auszudrücken und so ihre Sorgen, Ärgernisse, Wünsche oder Anregungen anzusprechen.

 

7. Kinderschutz gemäß § 8a SGB VIII

Der Paragraf 8a des achten Sozialgesetzbuches regelt den Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung[1]. Als Kindertageseinrichtung kommt uns bei diesem gesetzlichen Schutzauftrag eine besondere Verantwortung zu. Wenn wir in unserem Alltag gewichtige Anhaltspunkte wahrnehmen, die auf Vernachlässigung bzw. Misshandlung hinweisen, reflektieren wir diese im Kleinteam und beziehen die Leitung mit ein. Alles wird schriftlich dokumentiert. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, eine externe „insofern erfahren“ Fachkraft des Kinderschutzbundes hinzuzuziehen, die uns anonym berät, ihre fachlichen Kompetenzen mit einbringt und uns dabei unterstützt, das Gefährdungsrisiko einzuschätzen. Die Einschätzung des Gefährdungsrisikos ist dabei immer auf den Einzelfall bezogen und berücksichtigt das Alter und den Entwicklungsstand des Kindes. Uns liegen Beobachtungsbögen vor, welche uns dabei helfen, die Einschätzung vorzunehmen. Unterstützt und begleitet durch unsere Regionalleitung und die Kollegen aus der Fachberatung folgt dann die Entscheidung darüber, welcher Schritt als nächstes nötig ist. Liegt eine akute Kindeswohlgefährdung vor, sind wir zu einer sofortigen Meldung beim Jugendamt verpflichtet. Ist dies nicht der Fall, suchen wir das Gespräch mit den Eltern und beraten sie hinsichtlich möglicher Hilfen. In diesem Gespräch werden verbindliche und terminierte Absprachen getroffen, die die Eltern einzuhalten haben. Es folgt eine erneute Risikoabschätzung. Wenn unsere Bemühungen bei der Elternberatung keine Wirkung zeigen und die angebotenen Hilfen und Unterstützungsangebote nicht angenommen werden, sind wir dazu verpflichtet, das Jugendamt einzuschalten, um die Gefährdung abzuwenden. Die Eltern werden dementsprechend informiert.

Die Sicherstellung des Schutzauftrages bei Kindeswohlgefährdung nach § 8a und § 72a SGB VIII regelt in unseren Einrichtungen ein Verhaltenskodex, eine Verfahrensanleitung für die Wahrnehmung von Kindeswohlgefährdung und die „Münchner Vereinbarung zum Kinderschutz gemäß § 8a Abs. 4 SGB VIII“.

Von unseren pädagogischen Fachkräften wird dabei eine hohe Professionalität im Umgang und der Bewältigung der Situation verlangt. Unterstützung erfahren die Fachkräfte durch Fortbildungen und der Kooperation mit bzw. den frühzeitigen Einbezug von internen und externen qualifizierten Fachdiensten bzw. Fachkräften.

Prozessverlauf bei der Wahrnehmung gewichtiger Anhaltspunkte im Kita-Alltag:

  1. Gewichtige Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung wahrnehmen und von anderen pädagogischen Problemen unterscheiden.
  2. Austausch im Team und mit der Kita-Leitung.
  3. Bei Bedarf: Hinzuziehen einer externen „insoweit erfahrenen“ Fachkraft.
  4. Gemeinsame Risikoabschätzung.
  5. Gespräch mit den Eltern und Aufstellung eines Hilfeplans.
  • Einbeziehen des Familiensystems zur Beratung und Lösungssuche.
  • Möglichkeiten zur Hilfe und Unterstützung aufzeigen.
  1. Überprüfen der Zielvereinbarungen und ggf. erneute Risikoabschätzung.

Wenn Vereinbarungen nicht eingehalten werden sowie die Beratung nicht angenommen wurde und somit die Kindeswohlgefährdung nicht abgewendet werden konnte, erfolgt eine sofortige Information des Jugendamtes (bei akuter Gefahr erfolgt die sofortige Meldung).

Die Beteiligung der Kinder ist gesetzlich vorgeben und zeigt sich als ein hochsensibles Thema, das unter Einbeziehung der Eltern erfolgen muss, wenn dies nicht negative Auswirkungen auf den Kinderschutz haben kann. Unser vorrangigstes Ziel ist es, die Kindeswohlgefährdung zu beenden. Im Lösungsprozess können die Kinder je nach Entwicklungsstand und Bedürfnis höchst sensibel mit einbezogen werden, sodass ihr Wohl unter Berücksichtigung ihrer Interessen wiederhergestellt wird. Weiterführende Informationen hierzu sind im trägereignen Schutzkonzept zu finden.

8. Ein Tag bei Espira

Ein ritualisierter Tagesablauf ist von großer Bedeutung für die Kinder, um Sicherheit zu erfahren und sich geborgen zu fühlen. Indem wir im Tagesablauf feste Strukturen mit festen Ritualen verankern, kommen wir diesen Bedürfnissen nach. Strukturen und Rituale werden immer an der aktuellen Altersstruktur, dem Entwicklungsstand und den kindlichen Bedürfnissen ausgerichtet.

Die Gliederung des Tages ist als „Dach“ zu sehen, unter dem sich das Leben in der Kita abspielt, das Verlässlichkeit bringt, aber auch Veränderungen zulässt. Ein beispielhafter Tagesablauf kann folgendermaßen aussehen (jede Kita behält sich eine gewisse Flexibilität vor):

07:00-09:00 Begrüßung, Zeit des Ankommens, gleitendes Frühstücksangebot

09:00-11:30 Morgenkreis, Projekte, Angebote, Ausflüge, Freispiel drinnen wie draußen

11:30-12:00 Mittagessen

12:00-12:30 Übergang in die Ruhephase

12:30-14:00 Zeit zum Ausruhen, Entspannen oder Schlafen

14:00-14:30 gleitender Nachmittagssnack

14:30-17:00 Freispiel, Projekte, Angebote drinnen wie draußen, Abholzeit und Verabschiedung

17:00 die Einrichtung schließt

 

9. Bildungs- und Entwicklungsdokumentation

Für die individuelle Begleitung der Kinder bedarf es einer systematischen und regelmäßigen Beobachtung der Lern- und Entwicklungsprozesse.

Bundesländerspezifisch nutzen wir u.a. die Beobachtungs- und Entwicklungsbögen Kompik/Sismik/Seldak und arbeiten mit dem neuseeländischen Ansatz der Bildungs- und Lerngeschichten. Zusätzlich werden für jedes einzelne Kind Entwicklungsmappen bzw. Portfolios angelegt. Hierbei dokumentieren wir größere, aber auch kleine Lernschritte der Kinder in Wort und Bild.

Ziel in allen Espira Einrichtungen ist es, Kinder auf diese Weise individuell mit all ihren Stärken zu fördern. Ein ressourcenorientierter Blick steht im Mittelpunkt jeder Beobachtung und Dokumentation und trägt damit zur Zielerreichung bei, das lernende Kind mit all seinen Interessen, Fähigkeiten und Kompetenzen wahrzunehmen.

Gezielte und alltägliche Beobachtungen werden regelmäßig im Team besprochen und reflektiert. Hieraus können differenzierte Bildungsangebote im Rahmen von Kleingruppenangeboten oder auch Projekte für die Gesamtgruppe resultieren. Auf diese Weise stellen wir allen Kindern, gleich mit welchen Voraussetzungen sie bei uns ankommen, angemessene Entwicklungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Die unterschiedlichen Dokumentationstools verstehen wir dabei als Instrumente, Lernprozesse bei Kindern systematisch zu beobachten, zu analysieren und zu dokumentieren. Durch diese Form der Beobachtung und Dokumentation erhalten unsere Pädagog*innen einen tieferen und fundierten Einblick in die individuellen Lern- und Entwicklungsschritte der Kinder. Auf dieser Basis können sie gezielte Unterstützungsleistungen anbieten, die den aktiven Austausch zwischen Kindern und Pädagog*innen stärken. In dessen Verlauf entsteht eine Bildungsbiografie, die eng im Dialog mit den Eltern weiterentwickelt wird.

 

 

10. Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung

Espira Deutschland verfügt über eine umfangreiche Organisationsstruktur, die sich mittels Erfahrungen und unterschiedlichen Konzepten bereichert.

Durch ein integriertes Qualitätsmanagementsystem ist es möglich, die Qualität in unseren Einrichtungen zu sichern. Dabei hat die Teilhabe der Kinder, der Eltern und der Mitarbeiter*innen einen hohen Stellenwert. Deswegen finden jährliche Kinderkonferenzen, Elternbefragungen, Mitarbeiter*innenbefragungen und Qualitätszirkel statt. Somit ist es uns möglich, die Weiterentwicklung von konzeptionellen, pädagogischen sowie strukturellen und instrumentellen Prozessen aus allen Blickwinkeln zu betrachten. Hinter jedem dieser Befragungen ist ein Prozess hinterlegt, der auf die ganzheitliche Bearbeitung der Ergebnisse abzielt. Berücksichtigt werden hierbei die individuellen Voraussetzungen von Familien, die örtlichen Gegebenheiten und unser pädagogisches Konzept.

Alle Pädagog*innen haben Zugriff auf alle wichtigen innerbetrieblichen Informationen, die in regelmäßigen Abständen überprüft werden.

Ebenso trägt unser Qualitätsmanagement die Verantwortung für die berufliche Entfaltung der Pädagog*innen. Größten Wert legen wir dabei auf die individuellen Entwicklungsmöglichkeiten jedes Einzelnen. Zusätzlich motivieren wir unsere Pädagog*innen, ihr jährliches Kontingent an externen Fortbildungen adäquat zu nutzen.

Die Diskussion pädagogischer und organisatorischer Themen findet Raum in regelmäßig stattfindenden Teamsitzungen, Kleinteambesprechungen, innerhalb von Projektgruppen und während ganztägiger pädagogischer Klausurtage, zu denen die Einrichtungen geschlossen bleiben.

Die Begleitung der Pädagog*innen in „besonderen Situationen“ erfolgt im ersten Schritt durch unsere Leitungen, in Zusammenarbeit mit der pädagogischen Regionalleitung, ggf. mit Unterstützung der dafür zuständigen Zentralfunktion oder durch externe Fachkräfte.

Die Leitungskräfte treffen sich in bestimmten Intervallen, um sich einerseits auszutauschen und zum anderen werden hier pädagogische Qualifikationen vertieft.

Um die Umsetzung der pädagogischen Basisstandards einmal jährlich systematisch zu reflektieren, durchlaufen alle Einrichtungen jährlich unseren Qualitätssicherungsprozess ‚Espira kompakt‘. Mittels Selbst- und Fremdreflexion werden zunächst die unterschiedlichen Sichtweisen auf das aktuelle Wirken als einzelner Pädagoge einerseits und als Gruppe andererseits verglichen und dokumentiert. Übereinstimmungen und Abweichungen in den Einschätzungen werden in mehreren Gesprächsrunden reflektiert und münden in Maßnahmen, die entweder individuell (z.B. Fortbildungsmaßnahme), in teameigenen Arbeitsgruppen (z.B. nächstes Klausurthema) oder in übergreifenden Qualitätszirkeln weiterbearbeitet werden.

Qualitätsentwicklung ist ein zirkulär ablaufender Prozess, der nie abgeschlossen ist. So ist das Erreichen eines gemeinsamen Problembewusstseins Teil der Ergebnisqualität, im Sinne der Nachhaltigkeit wurden Strukturen für ein prozessorientiertes Vorgehen geschaffen, die es allen betroffenen Personen ermöglichen, aus neuen Erfahrungen zu lernen und immer wieder neu gewonnene Erkenntnisse in Handlungen umzusetzen. Eine offene, respektvolle und wertschätzende Kommunikationskultur prägt ein gutes Betriebsklima, in dem sich große wie kleine Menschen wohl fühlen.

11. Nachwort

Unsere Konzeption ist die Visitenkarte unseres Hauses, in der wir unsere pädagogischen Schwerpunkte und Rahmenbedingungen darstellen. Aus diesem Grund investierte das pädagogische Team sehr viel Zeit und Erfahrung, um dieses Konzept nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu erstellen.

So, wie sich die Lebenswelt der Kinder im Wandel befindet, ist auch unsere Hauskonzeption nicht starr. Sie ist als Prozess zu begreifen; als etwas, das reift, sich weiterentwickelt und sich verändert. Jedoch legen wir großen Wert auf die Beständigkeit von nachweislich Gutem.

Unser Ziel ist es, alle uns anvertrauten Kinder bestmöglich ein Stück des Lebensweges zu begleiten und zu unterstützen, indem Pädagog*innen und Familien eine erfolgreiche Erziehungs- und Bildungspartnerschaft eingehen – für einen fantastischen Start ins Leben!

 

 

 

[1] Kindeswohlgefährdung ist ein unbestimmter Rechtsbegriff:

„Das BGB bezeichnet es als Kindeswohlgefährdung, wenn das geistige, körperliche und seelische Wohl eines Kindes gefährdet ist und die Erziehungsberechtigten nicht bereit oder in der Lage sind, die Gefahr abzuwenden.

In der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs wird eine Kindeswohlgefährdung definiert als ‚eine gegenwärtige, in einer solchen Masse vorhandene Gefahr, dass sich bei der weiteren Entwicklung eine erhebliche Schädigung mit ziemlicher Sicherheit voraussehen lässt‘.“